Eine Gestalttherapeutin ist eine Psychotherapeutin, die nach den Prinzipien der Gestalttherapie arbeitet – einer humanistischen und erlebnisorientierten Form der Psychotherapie.
Man kann sie sich ein wenig wie eine „Wegbegleiterin im Hier und Jetzt“ vorstellen. Im Gegensatz zu klassischen Analyse-Methoden, die oft tief in der Vergangenheit graben, liegt der Fokus hier darauf, was jetzt gerade in diesem Moment passiert.
1. Die Kernphilosophie: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile
Der Begriff „Gestalt“ bezieht sich darauf, dass wir Menschen Situationen und uns selbst als Ganzheiten wahrnehmen. Eine Gestalttherapeutin betrachtet Körper, Geist und Seele als eine Einheit.
- Hier und Jetzt: Statt nur über Probleme zu reden, geht es darum, sie im Moment der Sitzung spürbar zu machen.
- Bewusstheit (Awareness): Das Ziel ist es, dem Klienten zu helfen, sich seiner Gefühle, körperlichen Reaktionen und Verhaltensmuster bewusst zu werden.
2. Wie arbeitet eine Gestalttherapeutin?
Sie ist keine passive Zuhörerin, die nur nickt. Eine Gestalttherapeutin ist präsent, lebendig und geht in den Dialog.
| Methode | Was passiert dabei? |
|---|---|
| Der Dialog | Die Therapeutin begegnet dem Klienten auf Augenhöhe („Ich-Du-Beziehung“) und bringt auch eigene Wahrnehmungen ein. |
| Körperarbeit | Es wird darauf geachtet, wie Sie sitzen, atmen oder ob Ihre Hand zittert, während Sie etwas erzählen. |
| Experimente | Es werden kreative Techniken genutzt, wie z. B. der berühmte „Leere Stuhl“, um mit verschiedenen inneren Anteilen oder abwesenden Personen zu sprechen. |
| Phänomenologie | Es wird beschrieben, was ist, anstatt sofort alles zu interpretieren oder zu bewerten. |
3. Was ist das Ziel der Behandlung?
Es geht nicht primär darum, ein Symptom „wegzumachen“, sondern die Eigenverantwortung und Selbstheilungskräfte zu stärken.
- Abschluss offener Gestalten: Alte, unverarbeitete Konflikte (die „offenen Gestalten“) sollen zu Ende geführt werden, damit sie im Alltag nicht mehr stören.
- Kontaktfähigkeit: Die Therapeutin unterstützt dabei, wieder echteren Kontakt zur Umwelt und zu sich selbst aufzunehmen.